Schuesole-Ässe 2026

Anlässe

Text/Fotos: Paul Münger

Am Freitag, 27. Februar, trafen sich 35 Stubengenossen – wie der Obmann bei seiner Begrüssung sagte – zum beliebten Schuesoleässe in der immer noch fast neuen Zunftstube. Das Eintreffen und der Apéro mit kleinen Beilagen fanden im erweiterten Foyer statt. Dort begrüsste uns der Stubenmeister und gab dem Abend Struktur und Ordnung, wie das Foto zeigt. Er zeigte sich erfreut, dass sich alle Anwesenden korrekt angemeldet hatten.

Anschliessend bewegte sich die Gruppe gemessenen Schrittes in die Zunftstube hinauf. Dort waren zwei aufgelockerte Tischreihen vorbereitet und zentral schön präsentiert wartete bereits das kalte Buffet. Oben begrüsste uns der Obmann mit einer gut vorbereiteten kurzen Ansprache zum geselligen Männeranlass. Danach bedienten wir uns – organisiert durch den Stubenmeister – tischweise am Buffet: zuerst kalt, dann warm und anschliessend süss. So sind wir es seit vielen Jahren gewohnt.

Doch das Essen war nicht immer so festlich. Ein Blick zurück zeigt, wie sich der Anlass entwickelt hat. Mit der Eröffnung der Zunftstube im Jahr 1973 gab es diesen Anlass bereits; er hiess damals „Herrenabend“. Mit der Einführung des Frauenstimmrechts und der Teilnahme der weiblichen Zunftangehörigen am Grossen Bott vom 7. Juni 1974 kam der „Herrenabend“ jedoch zusehends in die Jahre und verschwand.

1990 wurde der abendliche Imbiss für die Herren wieder eingeführt. Um nicht zu provozieren, erhielt der Anlass einen bodenständigen, volksnahen Namen und wurde „Schuesoleässe“ getauft. Eine Schuesole in Kombination mit Hörnli und Salat erinnert an den Militärdienst und sollte kaum das Interesse der Damenwelt wecken. So waren auch die ersten Schuesoleässe: einfach und reichlich. Es fehlte nur noch die militärische Gamelle, in der Schicht um Schicht die Speisen eingefüllt und oben mit Kakaocreme abgedeckt wurden.

Es dauerte nicht lange, bis die weiblichen Zunftangehörigen fragten, ob es nicht an der Zeit wäre, einen Anlass für die Damen einzuführen. Ich erinnere mich noch gut an die Antwort des damaligen Obmanns, dass gegen einen Nachmittag mit Kuchen und Tee sicher nichts einzuwenden sei. Doch er hatte die Zeichen der Zeit nicht ganz erkannt und wurde umgehend darauf hingewiesen, dass auch Damen durchaus ein gutes Nachtessen mit einem Glas Wein schätzen. Diese Szene am Grossen Bott fanden wir amüsant und haben noch lange darüber gelacht.

Der Damenanlass erhielt ebenfalls einen bescheidenen Namen: „Gablechränzli“. 1994 trafen sich die Stubengenossinnen erstmals in der Zunftstube zu einem opulenten Essen. Die Männer zogen später nach, und aus der ursprünglichen Schuesole wurde im Laufe der Zeit ein schönes Buffet mit drei Gängen – kalt, warm und süss.

So ist das bei uns in der Zunftstube: Gewisse Traditionen bleiben, andere verändern sich im Laufe der Zeit. Besonders freut mich die Art und Weise, wie wir Veränderungen herbeiführen – wohlwollend, meist sachlich und immer mit einer Portion Humor und Selbstkritik.

Bei dieser Gelegenheit bedanke ich mich herzlich bei allen, die unsere geschätzten Anlässe organisieren und durchführen.


Quellen: Erzählungen, selbst erlebt und Schuhmachernbuch Seiten 63, 164, 169.w