Text: Rafael Ganzfried Burgerliches Sozialzentrum
Ein Blick ins Burgerliche Sozialzentrum
Wer heute durch die Gassen der Stadt Bern spaziert, begegnet ihr an allen Ecken: der langen Geschichte der Burgergemeinde und ihrer Gesellschaften und Zünfte. Was jedoch weniger sichtbar ist, sind diejenigen Stellen, die sich tagtäglich im Hintergrund darum kümmern, dass Menschen in schwierigen Lebenslagen nicht alleine dastehen. Eine dieser zentralen Aufgaben übernimmt das Burgerliche Sozialzentrum (BSZ).
Ein Kompetenzzentrum im Dienst aller Burgerinnen und Burger
Das BSZ ist der Sozialdienst der Burgergemeinde Bern. Klein in der Grösse, aber enorm bedeutend in seiner Wirkung. Neun Mitarbeitende sorgen gemeinsam dafür, dass im Bereich Sozialhilfe, Kindes- und Erwachsenenschutz sowie Alimentenwesen niemand vergessen geht. Sie beraten, unterstützen, begleiten und übernehmen Verantwortung für alle Bernburgerinnen und Bernburger, die im Kanton Bern wohnen.
Dabei arbeitet das BSZ nicht nur für die Burgergemeinde selbst, sondern auch für Gesellschaften, Zünfte und die burgerliche Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (bKESB). Studierende der Sozialen Arbeit und KV-Lernende erhalten zudem die Möglichkeit, im BSZ praktische Erfahrungen zu sammeln. Unser Beitrag an die nächste Generation sozialer Fachkräfte.
Wenn das soziale Netz greift
Seit dem 1. Januar 2022 haben die Gesellschaften und Zünfte ihre operativen Aufgaben in der individuellen Sozialhilfe vollständig dem BSZ übertragen. Sozialhilfe wirkt oft im Stillen und doch ist sie für Betroffene eine Lebensader. Sie greift, wenn alle anderen Sicherungssysteme ausgeschöpft sind, und stellt sicher, dass Menschen trotz schwieriger Umstände ein würdiges Leben führen können. Besonders betroffen sind Kinder und Jugendliche. Rund ein Drittel aller Sozialhilfebeziehenden im Kanton Bern gehört zu dieser Altersgruppe. Auch Alleinerziehende oder Menschen ohne Berufsabschluss tragen ein erhöhtes Risiko, auf Unterstützung angewiesen zu sein. Und nicht zuletzt schlagen steigende Mietpreise zu Buche: Fast ein Drittel der gesamten Sozialhilfeausgaben im Kanton Bern entfällt auf Mietkosten. Ein Bereich, auf den das BSZ keinen Einfluss hat.
Schutz und Begleitung: Kindes- und Erwachsenenschutz (bKESB)
Im Kindes- und Erwachsenenschutz arbeitet das BSZ eng mit der bKESB zusammen. Während die Behörde entscheidet, welche Massnahme notwendig ist, sorgt das BSZ dafür, dass diese im Alltag umgesetzt wird. Sei es durch regelmässige Begleitung, Unterstützung in schwierigen Situationen oder durch die Übernahme von Verantwortung, wenn Menschen sich selbst nicht ausreichend schützen können.
Ein Blick auf das Jahr 2025
Das Jahr 2025 stellte das BSZ vor besondere Herausforderungen:
– 12 % mehr Sozialhilfefälle
– 6 % mehr Beistandschaften
– Insgesamt knapp 500 Menschen, die im Laufe des Jahres Unterstützung brauchten.
Zum Jahresende betreute das BSZ 90 Sozialhilfefälle und führte 93 Beistandschaften. Und wie in anderen Sozialdiensten zeigt sich auch hier: Nicht nur die Anzahl, sondern auch die Komplexität der Fälle nimmt zu. Die Gesellschaft zu Schuhmachern war im 2025 mit drei Sozialhilfefällen (sechs Personen) betroffen. Die Ausgaben im Bereich Sozialhilfe beliefen sich auf rund 140’000 Franken, wovon der grösste Teil in Grundbedarf, Mieten, Nebenkosten, Krankenkassenprämien, Gesundheitskosten und Kinderbetreuung floss. Die Einnahmen, etwa aus Löhnen, Arbeitslosentaggelder, Kinderzulagen oder Versicherungsleistungen, betrugen rund 65’000 Franken. Eine bemerkenswerte Tatsache: Die Ansätze für den Grundbedarf liegen heute tiefer als vor 20 Jahren. Ein Hinweis darauf, wie knapp berechnet das soziale Existenzminimum ist.
Blick nach vorne
Die Anforderungen an Sozialdienste steigen stetig. Fälle werden komplexer, Lebensgeschichten vielfältiger. Die Herausforderungen in unserem Alltag besonders für vulnerable Menschen nehmen zu. Um diesen Entwicklungen gerecht zu werden, setzt das BSZ konsequent auf Weiterbildung, Fachkompetenz und ausreichende personelle Ressourcen. Für die Gesellschaft zu Schuhmachern bedeutet dies eine nachhaltige Investition: Denn gut ausgebildete Fachpersonen schaffen nicht nur Unterstützung für diejenigen, die aktuell Hilfe benötigen, sondern tragen auch langfristig zum sozialen Frieden innerhalb der Gemeinschaft bei.