Forstbetrieb: Naturnah und mit Weitblick

Burgerliche Institutionen & Abteilungen

Text/Bild: Michel Wyss, Forstbetrieb Burgergemeinde Bern

Die Burgergemeinde Bern gehört zu den grössten Waldeigentümerinnen der Schweiz. Der Forstbetrieb bewirtschaftet die rund 3‘680 Hektaren Wald naturnah und nachhaltig. Im Auftrag anderer Eigentümer betreut er weitere rund 500 Hektaren Wald. Ziel ist es, die Waldleistungen wie Holzproduktion, Freizeit und Erholung, Schutz und Ökologie für heutige und kommende Generationen sicherzustellen.

Der Wald gehört traditionell zur DNA der Burgergemeinde. Über 80 Prozent ihrer Wälder liegen in einem Umkreis von 20 Kilometern um das Bundeshaus. Weiter besitzt sie Waldungen zum Beispiel in Saanen, im Kiental oder auf der St. Petersinsel. In der „Waldpolitik“ hat die Burgergemeinde ihre langfristigen Ziele als Eigentümerin festgehalten: Unter anderem will sie ihr Waldeigentum qualitativ und quantitativ erhalten sowie ihre Wälder aktiv an die Herausforderungen des Klimawandels anpassen.

In den Wald investieren

Früher war der Wald eine wichtige Einnahmequelle: Zwischen 1950 und 1990 erwirtschaftete die Burgergemeinde damit im Schnitt jährlich eine halbe Million Franken Gewinn. Ab 1990 führten sinkende Holzpreise und steigende Kosten zu Defiziten – verstärkt durch Schäden wie beim Orkan «Lothar». Ab 2000 wurden Strukturen gestrafft, Arbeiten wie Holzernte oder Strassenunterhalt an spezialisierte Forstunternehmen vergeben. Das senkte die Kosten und erhöhte die Sicherheit. Heute werden wieder positive Ergebnisse erzielt – alle Erlöse fliessen in die Pflege und Entwicklung des Waldes zurück.

Multifunktionale Wälder

Der Forstbetrieb betreibt eine naturnahe und nachhaltige Waldbewirtschaftung. Er setzt möglichst auf natürliche Prozesse und auf hohe ökologische Standards, die über das strenge Waldgesetz hinaus gehen. Ziel der Bewirtschaftung ist es, die vielfältigen Waldleistungen für heutige und kommende Generationen zu sichern. Die Wälder der Burgergemeinde sind multifunktional und müssen verschiedenen Zielen wie Holzproduktion, Freizeit und Erholung, Schutz und Ökologie gerecht werden. Jeder Wald hat einen Schwerpunkt, der vor den anderen Zielen Vorrang hat.

Maschine für boden- und bestandesschonende Holzernte (Bild: Forstbetrieb Burgergemeinde Bern)

Holz – ein wertvoller Rohstoff

Die jährliche von der kantonalen Aufsichtsbehörde bewilligte Holzernte des Forstbetriebs beträgt 30‘000 bis 40‘000 Kubikmeter (was etwa 12 bis 16 gefüllten olympischen Schwimmbecken entspricht). Das Holz dient als nachhaltiger Baustoff oder als Energieholz, das fossile Energieträger ersetzt. Es leistet einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der CO2-Bilanz. Zum Beispiel beim Neubau des nationalen Beachvolleyball-Centers „Home of Beach“ in Bern: Der innovative Holzbau setzt auf Schweizer Holz. Das Tannenholz für die Fassade stammt aus dem burgerlichen Sädelbachwald. Die Burgergemeinde unterstützt den Bau mit 150‘000 Franken, um die Verwendung von Schweizer Holz zu fördern.

Wälder an den Klimawandel anpassen

Trockenheit, Stürme, Starkniederschläge: Die Auswirkungen des Klimawandels sind im Schweizer Wald stark spürbar. Baumarten wie die Buche oder die als Bauholz wichtige Fichte leiden besonders darunter. Rund 80 Prozent des Holzvorrats in den Burgerwäldern bestehen je zur Hälfte aus Fichten und Buchen. Der Forstbetrieb reagiert deshalb mit einer gezielten Verjüngung: Er setzt dabei grösstmöglich auf natürliche Erneuerung und pflanzt, wenn nötig, klimataugliche Baumarten wie zum Beispiel Douglasien, Linden oder Traubeneichen. Ziel ist eine ausgewogene Mischung aus Nadel- und Laubbäumen, um Risiken zu streuen.

Raum für Mensch,…

Der Bevölkerung stellt der Forstbetrieb rund 350 Hektaren Wald mit dem Schwerpunkt Erholung zur Verfügung. Er ermöglicht so vielfältige sportliche, pädagogische oder kulturelle Anlässe und Angebote. In den Burgerwäldern befinden sich zum Beispiel rund 80 Waldplätze für Spielgruppen, Kitas, Kindergärten und Schulen.

…Flora und Fauna…

Auf einem Teil der Waldfläche verzichtet der Forstbetrieb komplett auf eine Bewirtschaftung, um Lebensräume für gewisse Tier- und Pflanzenarten zu erhalten. Um totholzliebende Arten zu fördern und um Naturräume zu vernetzen, hat er über den gesamten bewirtschafteten Wald ca. alle 15 Hektaren eine Altholzinsel mit insgesamt rund 15’000 Habitatbäumen ausgeschieden.

… sowie für Expertise

Der Forstbetrieb arbeitet eng mit Fachhochschulen, Universitäten und Forschungsinstituten zusammen. So werden praxisnahe Studien ermöglicht – etwa zu Baumarten, die den Klimawandel besser verkraften. Gleichzeitig profitiert er von aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Als Kompetenzzentrum für Waldpflege im urbanen Umfeld bietet der Forstbetrieb forstliche Dienstleistungen für Dritte an und führt im Mandat die Geschäftsstelle der Berner Waldbesitzer BWB.

Mehr über den Burgerwald erfahren
Weitere Informationen zu kostenlosen Waldführungen, zur Waldbewirtschaftung und vieles mehr gibt es auf der Website: 
www.forst.bgbern.ch