Die Welt der Sportanlagen – Weiterbildung in Magglingen 

Schuhmacherinnen und Schuhmachern danken herzlich

Text/Fotos: Patrick Remund

Als Architekt und sportinteressierter Mensch habe ich vor zehn Jahren das Amt des Leiters Sportplatzkommission Fussballverband Bern-Jura (FVBJ) übernommen. In dieser Funktion bin ich zuständig für die Homologation der Fussballplätze vom Berner Jura bis ins Berner Oberland. Bei einer Tagung mit der Sportplatzkommission des Schweizerischen Fussballverbandes (SFV) hat mich der Präsident darauf hingewiesen, dass es eine Weiterbildung CAS Sportanlagen EHSM gibt. Dieser Kurs gab mir die Möglichkeit, mein Interesse für Sport mit meinem Beruf zu verbinden, und so eine Basis für die Planung von Sportanlagen zu erarbeiten.

Der CAS umfasst zwei obligatorische fünftägige Basismodule, in denen man die Grundlagen der Planung und des Unterhalts von Sportanlagen kennen lernt. Danach spezialisiert sich der Kurs in zwei Richtungen. Einerseits in Richtung Management und andererseits in Richtung Planung und Bau. Beide Richtungen umfassen sechs Module à drei Tage. Um den Abschluss zu erhalten, müssen mindestens vier Module einer Kursrichtung absolviert werden. Es steht einem aber auch frei, weitere Module zu besuchen. Um ein Modul abzuschließen, muss man einen Test absolvieren oder eine Präsentation halten.

Die Kursteilnehmer kommen aus der ganzen Schweiz zusammen, auch aus dem Tessin und der Westschweiz. Ihr beruflicher Hintergrund ist sehr vielfältig und umfasst sowohl Gemeindeangestellte von Sport- und Immobilienämtern als auch Mitarbeiter von Unternehmen und Planungsbüros, die im Sportanlagebau tätig sind.

Der Kurs fand hauptsächlich in Magglingen an der Eidgenössischen Hochschule für Sport EHSM statt. Die Institution mit ihren unzähligen Sportanlagen, Schulungsräumen, Verwaltungsgebäuden und Unterkünften, wo sich Spitzen- und Nachwuchsathleten die Klinke in die Hand geben, ist beeindruckend. Letztes Jahr wurde beispielsweise das neue Gebäude «Lärchenplatz» eröffnet, welches über Labors, Regenerationszonen, einen unterirdischen Sprinttunnel, Büros und zwei doppelgeschossige Sporthallen verfügt.

Die Vorlesungen wurden von Fachleuten gestaltet, wobei die Abwechslung sehr gross war. Die Themen gingen von der Erarbeitung der Grundlagen (Reglemente, Normen und Schriftenreihen) über eine Präsentation der Nüssli AG, welche das temporäre Stadion am ESAF mit 56‘000 Sitzplätzen gestellt hat, bis hin zu einem Workshop mit dem Architekten Roger Gut, welcher ein Experte im Gebiet der Sportgebäudeplanung ist. Nicht fehlen durften auch die Lehrinhalte zu den verschiedenen Verbänden und Anlaufstellen sowie die Netzwerkpflege.

Im Rahmen der Kurse haben wir verschiedene Sportanlagen besichtigt und selbst ausprobiert. Dazu gehörten in Grenchen das Stadion Brühl und das Tissot Vélodrome, eine der schnellsten Radrennbahnen der Welt, das Multifunktionsstadion Tissot Aréna in Biel mit Fussball, Eishockey, Curling und einem Einkaufszentrum sowie die Kletteranlage O’Bloc in Ostermundigen. Zudem haben wir in Magglingen selbst diverse Anlagen besichtigt und analysiert, darunter zum Beispiel einen Fussballplatz, auf dem neue organische Einstreugranulate aus Mais, Hanf und Olivenkernen für die Verfüllung von Kunststoffrasen getestet werden.

Zum Abschluss der Weiterbildung mussten die Teilnehmer eine wissenschaftliche Arbeit verfassen. Diese musste das Thema Sportanlage in irgendeiner Form als Untersuchungsgegenstand haben. Meine Arbeit dreht sich um die «Vaudoise Aréna» und ich zeige die Synergien des Raumprogramms und der Nutzung innerhalb dieser Sportanlage auf. Die Sportanlage verfügt einerseits über das Stadion des Lausanne Hockey Club mit 12‘000 Zuschauerplätzen und einem zusätzlichen Eisfeld sowie über eine grosse Schwimmhalle mit zwei Becken und einem 10-Meter Sprungturm. Darüber hinaus verfügt das Gebäude über ein Restaurant sowie ein Trainingszentrum für das Fechten und das Tischtennis. All dies ist auf engstem Raum untergebracht und muss durchgetaktet organisiert sein, damit die Abläufe funktionieren. Ein Ausflug zu einem der diversen Anlässe lohnt sich auf jeden Fall.

Gerne weise ich darauf hin, dass im Januar 2027 der nächste Lehrgang CAS Sportanlagen EHSM startet und ihr mich bei Interesse gerne kontaktieren dürft.

Ich möchte an dieser Stelle nochmals meinen herzlichen Dank gegenüber der Zunft für die finanzielle Unterstützung ausdrücken. Es ist grossartig, dass es in Zeiten von Kürzungen im Bildungs- und Sportbereich diese Hilfe zur Aus- und Weiterbildung gibt, denn jeder in Sport investierte Franken kommt in Form einer gesunden und motivierten Gesellschaft dreifach zurück.