Text/Fotos: Justin Meyer

Zwei Brüder, eine Zunft und die Anreise aus dem Norden: Für das diesjährige Winter-Weekend der Nachwuchs-Zunftgenossen (18–35 Jahre) vom 9. bis 11. Januar 2026 haben wir uns aus Freiburg und Karlsruhe auf den Weg gemacht, um als Teil der Schumacher-Zunft gemeinsam mit den Mittellöwen drei Tage in Zermatt zu verbringen. Einer von uns bereits als „Wiederholungstäter“ dabei, der andere als „neues Gesicht“ in der Runde. Ein Gespräch über eisige Windstärken, „steinzeitliche“ Pistenpläne und einen denkwürdigen Socken-Sprint.
Der Wiederholungstäter (Justin M.): „Endlich wieder Zermatt! Nachdem wir die Anreise aus Deutschland und den Treffpunkt in Bern hinter uns hatten, fühlte es sich im Zug Richtung Wallis sofort wie ein Heimspiel an. Wie war dein erster Eindruck, als die Truppe in Bern zusammenkam?“
Das neue Gesicht (André M.): „Absolut unkompliziert. Obwohl wir ja sozusagen die ‚Exoten‘ aus dem Norden sind, war die Begrüßung durch die Schuhmacher so herzlich, als wäre man nie weg gewesen – und auch mit den Mittellöwen, die wir ja zuvor noch nicht kannten, war das Eis sofort gebrochen. Mein Highlight zum Start war definitiv der Freitagabend: Im China Garden hat jeder Tisch ein vielseitiges Buffet bestellt, sodass von allem etwas dabei war. Und danach die Tradition, die du mir schon angekündigt hattest – der obligatorische ‚Sinalco‘-Willkommensshot in der Little Bar. Ein Muss, oder?“

Der Wiederholungstäter: „Absolut, ohne den ‚Sinalco‘ wäre es kein echtes Zermatt-Weekend. Während du schon in der Little Bar warst, habe ich die Zeit genutzt, um unserem geschätzten Nachzügler David unter die Arme zu greifen. Man hilft den älteren unter den jungen Zunftgenossen ja gerne mal beim Gepäckschleppen zur Herberge, damit sie ihre Kräfte für die Piste schonen können – natürlich mit viel Liebe (und einem Augenzwinkern)! Danach im Papperla Pub war die Stimmung phänomenal. Die Live-Musik von Queen-Klassikern bis zu den Heimatsongs der Band war der perfekte Rahmen, um mit allen warmzuwerden. Aber der Samstag hat uns dann alles abverlangt, oder?“
Das neue Gesicht: „Uff, ja! Temperaturen von bis zu -20 Grad am Klein Matterhorn und Windböen, die einen fast vom Berg geweht hätten. Dass die meisten Lifte zu waren, war natürlich Pech. Da nur noch die Piste vom Riffelberg nach Furi offen war, staute sich dort gefühlt jeder, der einen gültigen Skipass besaß. Der Pistenzustand war dementsprechend… sagen wir mal ‚charakterstark‘. Es war weniger Skifahren als vielmehr ein taktisches Umfahren von Schneehügeln und anderen Wintersportlern.“

Der Wiederholungstäter: „Stimmt, da der Lift zum Trockenen Steg wegen des Sturms gesperrt blieb, gab es statt der geplanten Pizza eben eine hervorragende Rösti im Restaurant Furri. Da sich die Wetterlage auch nach der mittäglichen Stärkung nicht besserte, kam trotz des tiefen Verlangens nach einer ‚Siesta‘ Aufbruchstimmung auf – schlapp gemacht wurde nicht! Die Zunftgenossen teilten sich auf: Während einige dem charakterstarken Pistenzustand auch am Nachmittag trotzten, schauten andere das Skirennen, und wir begaben uns zum ‚Avant-Après-Ski‘ pünktlich zur Eröffnung im ‚Hennu-Stall‘. Dort haben wir gemeinsam kräftig abgezappelt. Genau das macht das Weekend aus: das Zusammensein und der gemeinsame Geist. Das Raclette in der Whymper Stube war dann der gemütliche Ankerpunkt am Abend, bevor wir uns zurück in die Jugendherberge begaben, um gestärkt in den Sonntag zu starten.“
Das neue Gesicht: „Der Sonntag war dann die totale Entschädigung: Kaiserwetter und strahlender Sonnenschein. Bevor es zum Mittagessen ging, wollten wir aber noch eine vermeintlich ‚neue‘ rote Piste ausprobieren, die auf unserem Plan verzeichnet war. Auf Höhe Grünsee schossen wir uns motiviert in den Hang – nur um im Vorbeifliegen erschrocken festzustellen, dass das Pisten-Schild rund, schwarz und mit der Nummer 25 versehen war. Trotz der Überraschung haben wir zwei ‚halbstarken‘ Snowboard-Touristen die Abfahrt souverän bewältigt.“

Beste Stimmung im legendären Hennu-Stall.
Der Wiederholungstäter: „(lacht) Ja, das sorgte beim Mittagessen im Riffelhaus direkt für Gesprächsstoff! Als wir unsere Erlebnisse stolz beim Flammkuchen erzählten, wurden wir von Caroline mit liebevollen, aber durchaus spöttischen Worten darauf hingewiesen, dass wir wohl einen Pistenplan aus der Steinzeit benutzten. Heutzutage schaue man gefälligst im interaktiven Pistenplan der Matterhorn Glacier App nach. Tja, unser blinder Abenteuergeist hatte uns da wohl kurzzeitig der digitalen Realität beraubt – aber Caroline hat uns technisch schnell wieder in die Gegenwart zurückgeholt! Aber danach wurde es zeitlich richtig eng für uns, oder?“
Das neue Gesicht: „Stimmt, da wir noch unsere Leihboards abgeben mussten, brachen wir beide zusammen mit Noah von den Mittellöwen bereits etwas früher auf. Wir sind vom Riffelberg über das Gifthittli und Sunnegga zurück nach Zermatt geschwungen. Dass die Gornergrat Bahn nach dem Mittagessen eigentlich die schnellste Lösung zum Bahnhof gewesen wäre, blieb uns als Information am Berg vorenthalten – diese Insider-Abkürzung war wohl nur den erfahrenen Zermattlern bekannt, wie uns Lena beim Abendessen am Sonntagabend mit einem Schmunzeln verriet. Als wir unten im Tal ankamen, zeigte der Tacho 15:15 Uhr – wir hatten also noch exakt 22 Minuten bis zur Abfahrt des Zuges. Bei elf Minuten Weg zum Skiverleih und weiteren ambitionierten sieben Minuten Fußweg zum Bahnhof war klar: Das wird eine Punktlandung. Aufgrund dessen haben wir uns aufgeteilt.“
Der Wiederholungstäter: „Eine strategische Meisterleistung! Während du direkt zum Bahnhof geeilt bist, um unsere dort eingeschlossenen Koffer zu befreien, habe ich die Boards und Boots zum Verleih zurückgebracht. Nur dumm, dass meine Straßenschuhe bei dir am Bahnhof waren… Da die Zeit für den Rückweg nicht mehr reichte, legte ich einen atemberaubenden Socken-Sprint quer durch Zermatt Richtung Bahnhof hin! Die Blicke der Touristen waren eine Mischung aus Mitleid und Bewunderung für diesen schuhlosen Endspurt. Aber: Pünktlich um 15.35 Uhr saß ich im Zug – Zunft-Tugend eben!“
Das neue Gesicht: „Dein Einsatz war rekordverdächtig. Was nimmst du als Fazit mit?“
Der Wiederholungstäter: „Dass sich jeder Kilometer Anreise lohnt. Es ist toll zu sehen, wie der Nachwuchs über die Zunftgrenzen hinweg zusammenwächst. Ein riesiges Dankeschön geht an Julie Held und Pascal Rahm für die perfekte A-Z Organisation und natürlich an die Zunft, die uns dieses Wochenende ermöglicht hat. Es ist ein Privileg, dabei zu sein.“
Das neue Gesicht: „Dem kann ich nur zustimmen. Nächstes Jahr bin ich definitiv wieder dabei. Zum Abschluss bleibt nur noch zu sagen – wie es Pascal und Julie wohl ausdrücken würden – ‚6-7‘ und dass wir oben gute Laune, unten gute Laune, vorne gute Laune, hinten gute Laune, rechts gute Laune, links gute Laune, einfach überall gute Laune hatten!“
Wer sich jetzt fragt, was genau damit gemeint ist, darf sehr gerne einmal unter folgendem Link reinhören: