Interview mit Hansruedi Marti

Who is who

Text: Andreas Jenzer Bilder: Hansruedi Marti / Andreas Jenze

Foto: Andreas Jenzer

Interview mit Hansruedi Marti

Lieber Hansruedi, wer bist du?

Ich bin ein Berner Oberländer, in Frutigen geboren und zur Schule gegangen und habe in Spiez die Lehre als Hochbauzeichner absolviert. Ich wollte schon immer Architekt werden, ich habe hobbymässig schon in der siebten Klasse Häuser entworfen. Nach der Lehre bestand ich die Aufnahmeprüfung an die Ingenieurschule Biel, es gab dort eine Klasse ‘Architektur’, dies war ein anerkannt gutes und strenges Studium. Während dieser Zeit konnte ich bei meiner Gotte/Tante in Nidau wohnen. Das Studium verlangte ständig Projektarbeiten zusätzlich zum Unterricht, so blieb wenig Freizeit und liess zum Beispiel den Eintritt in eine Studentenverbindung nicht zu. Nach dem Abschluss als Architekt HTL übte ich eine 50%-Stelle bei der kantonalen Denkmalpflege in Bern aus, arbeitete als freier Mitarbeiter und baute sukzessive mein eigenes Architekturbüro in Frutigen auf. Einige Jahre nach der Ausbildung zum Architekt HTL absolvierte ich an der ETH Zürich nebenberuflich noch die Ausbildung zum Dipl. Architekten NDS ETH.

Wie sehen deine familiären Verhältnisse aus?

Ich wuchs mit vier Geschwistern auf, mein Vater war von Beruf Schreinermeister und arbeitete in der Eidg. Konstruktionswerkstätte Thun (heute RUAG), wo er Chef der Schreinerei war. Mein Vater arbeitete in der Freizeit und in den Ferien viel an unserem eigenen Haus, ich half ihm viel dabei, ich ging mit ihm mit seinen Plänen zu den verschiedenen Handwerkern, was mich alles sehr faszinierte und dann früh zu meinem Berufswunsch Architekt führte. Nach den Lehr- und Wanderjahren baute ich mein Einfamilienhaus in Frutigen, heiratete und wir zogen zwei Kinder auf (Manuela und Roland). An der Gewerbeschule Frutigen unterrichtete ich 12 Jahre lang Fachunterricht bei den Maurerklassen an einem halben Tag pro Woche; einerseits befriedigte mich die Arbeit mit den jungen Berufsleuten sehr, andererseits gab es mir ein festes Einkommen mit Haus und Familie. Heute lebe ich mit meiner Partnerin, Anita Wanner, zusammen. Sie ist von Beruf Restauratorin und wir hatten uns beruflich kennengelernt.

Wenn ich mich hier in deinem Architekturbüro umschaue, habe ich den Eindruck, dass deine Tätigkeit als Architekt eher Berufung als Beruf ist!?

Ja, das stimmt, ich bin mit Leib und Seele Architekt, dies ist ein Superjob, die Arbeit ist sehr kreativ, man sieht, was man gemacht hat, aus vielen Bauherren wurden Freunde und es befriedigt mich sehr, wenn die Kunden zufrieden sind. Eine grosse Ehre ist es auch, dass ich Architekturwettbewerbe gewinnen konnte. Stolz bin ich zum Beispiel auf den Bau der Skibindungsfabrik Fritschi in Reichenbach, das Tropenhaus in Frutigen oder die neuen Busbahnhöfe in Adelboden und Frutigen, die aufgrund des Wettbewerbserfolges in Planung sind. Mich fasziniert auch der Umgang mit Bauherren und Fachleuten, so habe ich auch viele historische Bauten renoviert und restauriert, zum Beispiel die Tellenburg in Frutigen, den Bahnhof Mülenen (Gemeinde Reichenbach) und den historischen Bahnhof Frutigen.

Ich habe auf deiner Homepage gelesen, dass du auch seit Jahrzehnten für den Heimatschutz tätig bist?

Ja, ich war über 40 Jahre als Bauberater für den Heimatschutz tätig, davon acht Jahre als Obmann. In dieser Tätigkeit setzte ich mich immer dafür ein, dass Projekte nicht verhindert werden, sondern dass ästhetisch gute Lösungen gefunden werden und dass diese Lösungen auch wirtschaftlich vertretbar sind. Es geht beim Heimatschutz nicht nur um einzelne Gebäude, um Proportionen, um Materialien. Es geht um das Dorf oder das Tal, es braucht den Blick für das Ganze. Der Eindruck oder die Charakteristik muss stimmen und wenn vorhanden, auch erhalten bleiben. Verunstaltungen müssen verhindert werden. Meine frühere Anstellung bei der kantonalen Denkmalpflege kam mir bei meiner Tätigkeit für den Heimatschutz zu Gute. 

Zum Wohle der Allgemeinheit durfte ich verschiedene nebenamtliche Lehrtätigkeiten ausüben und war Prüfungs-Experte bei den Hochbauzeichnern und an den Diplomprüfungen bei den Architekten an der Fachhochschule Burgdorf. Daneben bin ich Mitglied des SIA (Vorstand Sektion Bern) und wurde als Mitglied in den FSAI (Féderation suisse des architects indépendants) aufgenommen.

Du bist ja eigentlich schon im Pensionsalter?

Ja, das stimmt, aber ich gehe richtig in meiner Arbeit auf und kann mir nicht vorstellen, von heute auf morgen mit Arbeiten aufzuhören, ausserdem gestaltet sich der Übergang bzw. die Abgabe meines Architekturbüros als schwierig. Für allfällige Anregungen aus dem Kreis der Leserschaft bin ich offen.

Was sind deine Hobbies?

Ich liebe das Wandern und das Skifahren, ich absolvierte während meines Studiums die Skilehrer- und Trainerausbildung. Mit dieser Tätigkeit verdiente ich etwas an mein Studium. Bis vor sechs Jahren war ich damit in verschiedenen Funktionen tätig. Mit meiner Partnerin reise ich sehr gerne, zum Beispiel Städtereisen. Zum Ausspannen ziehe ich mich in mein Ferienhaus im Lötschental (Lauchernalp) zurück. Ein Hobby ist auch die Malerei, ich male gerne Gebäude und Berge.

Mit Anita habe ich auch private Projekte: Wir haben in Neuhausen SH das Cinevox, ein unter Bundesschutz stehendes Mehrfamilienhaus mit Kinosaal (Architekt Max Bill) gekauft, dieses wollen wir stilgerecht renovieren. Daneben haben wir das alte Gefängnis von Frutigen gekauft, das auch einer Sanierung harrt. 

Die Familie ist mir aber auch sehr wichtig, wir unternehmen Vieles mit Manuelas und Rolands Familien. An den mittlerweilen fünf Grosskindern habe ich Riesenfreude.

Welches sind deine Beziehungen zur Zunft?

Meine Kinder und ich sind seit 2016 Gesellschafter bei Schuhmachern. Einen grossen Teil meiner Militärkarriere bis zum Major absolvierte ich in der Bernerdivision, dort lernte ich viele Bernburger und dadurch das Burgerwesen kennen und schätzen. Mein erster Chef, der frühere Burgerratspräsident Kurt Hauri und unser früherer Obmann, Peter Rolf Hubacher, sowie Donat Hürzeler, den ich geschäftlich kannte, hatten mich motiviert, der Zunft beizutreten. Ich besuche die Anlässe der Zunft regelmässig. Ich bin auch Mitglied der Baukommission, die den Umbau unserer Zunfträumlichkeiten betreute, dies war eine grosse Arbeit, die mir sehr viel Freude gemacht hat.

Daneben hatte mich Lukas Ammann von unserer Zunft zur Übernahme des Amtes des Schützenschreibers im VGB der Reismusketen motiviert.

Ich danke dir herzlich für dieses Gespräch und den interessanten Einblick in dein Leben!